Der Architekt:
Schnittstelle zwischen Bauherr und Estrichleger
 

   
 

Auf dem Bauplan ist sie nur ein dünner Strich. Doch für den Bauablauf und für die spätere Baunutzung hat die Estrichschicht eine erhebliche Bedeutung. Entscheidend für die Auswahl des Estrichsystems ist die Ausschreibung. Wir sprachen mit der Architektin Dipl.-Ing. Anita Uphoff, Petershagen.

 
   
 
Sie haben sich bei Ihren letzten Bauvorhaben für Calciumsulfat-Fließestrich entschieden. Warum?

In den Bereichen der Altbausanierung und des Wohnungsbaus war vor allem die Tatsache entscheidend, dass ein Fließestrich schneller begehbar ist als ein konventioneller Zementestrich. Somit wird die Wartezeit für die Folgegewerke verkürzt. Eine Zeit- und Kostenersparnis wird ebenfalls durch die Herstellung einer sehr ebenen Oberfläche mit Calciumsulfat-Fließestrich erzielt. Vorarbeiten der Nachfolgegewerke, z. B. Fliesen, können effizienter ausgeführt werden. Der Einsatz im Bereich einer Fußbodenheizung war für uns ebenfalls ein entscheidendes Kriterium, da die hohe Fließfähigkeit des Estrichs die Heizrohre hohlraumfrei umschließt und somit eine optimale Wärmeübertragung erreicht wird.

 
   
 
Wer oder was hat Sie auf die Vorteile von Calciumsulfat-Fließestrich aufmerksam gemacht und schließlich überzeugt?

Durch eine Präsentation auf der "Bautec" in Berlin ist unser Büro auf diese Art des Estrichs aufmerksam geworden. Daraufhin haben wir Kontakt mit einem ortsansässigen Estrichleger aufgenommen, der uns über die Eigenschaften des Calciumsulfat-Fließestrichs genau informieren konnte. Nach einer Ausführung auf einer Probebaustelle und der anschließenden Prüfung waren wir von dem Produkt überzeugt.

 
   
 
Was erwarten Sie von der Zusammenarbeit mit dem Estrichleger?

Eine umfassende Information in Bezug auf die Ausbildung von Fugen, Estrichnenndicken und die Auslegung der Dämmstoffe. Das verlangt eine erste Zusammenarbeit schon in der Planungsphase. Um die Nachfolgegewerke reibungslos koordinieren zu können, ist eine kooperative, vorausschauende Zusammenarbeit sowie die Anmerkung von Bedenken des Estrichlegers bei evtl. auftretenden Problemen unabdingbar.

 
   
 
Was empfehlen Sie Ihren Architekten-Kollegen, wenn es um die Planung des Estrichs geht?

Eine umfangreiche Beratung durch einen kompetenten Estrichleger oder die technische Unterstützung durch Vertreter der Industrie erleichtern die Planung des Estrichs. Das Informationsangebot im Internet sollte ebenfalls zur objektiven Meinungsbildung genutzt werden.

 
   
 
Wie wichtig ist das Thema "Estrich" für Ihre Bauherren? Ist es einfach, sie von Calciumsulfat-Fließestrich zu überzeugen?

Die Mehrzahl der Bauherren kennt keine Alternative zum konventionellen Zementestrich. Das Interesse der Bauherrenschaft an diesem Bauteil ist sehr gering, trotz seiner Bedeutung für den gesamten Bodenaufbau. Durch die Erläuterung der Vorteile steigt ihr Interesse an der Art und Ausführung des Fließestriches. Da die Bedeutung dieses Bauteils somit eine neue Sichtweise eröffnet, entscheiden sich viele Bauherren im Nachhinein für Calciumsulfat-Fließestrich. In puncto Beratung der Bauherrenschaft bleibt hier allerdings noch viel zu tun – für Industrie, Handwerk und den Architekten.

 
 

 

 

Dipl.-Ing. Anita Uphoff, Petershagen, studierte Architektur an der FH Münster/Westfalen. Nach Mitarbeit in verschiedenen Architekturbüros leitet sie heute das Büro Uphoff-Architektur.

   
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