Fugenlose Estriche:
auch unter dynamischen Belastungen

 
   
 

Fließestriche aus Calciumsulfat haben sich seit Jahrzehnten im Innenbereich bewährt und speziell bei Fußbodenheizung und auf Hohlraumboden einen hohen Marktanteil errungen. Nun steht Fließestrich auch an der Schwelle zum gewerblich genutzten Boden.

 
   
 

Gewerblich genutzte Böden werden in der Regel mit Flurförderfahrzeugen befahren, die eine dynamische Beanspruchung mit hohen Punktlasten für den Boden mit sich bringen. Außerdem bilden Fugen die schadensanfälligsten Stellen eines befahrenen Bodens und sollten deshalb soweit wie möglich vermieden werden. Bei Estrichen auf Dämmschicht führen diese typischen Beanspruchungen häufig zu schwerfälligen Konstruktionen mit hohem Fugenanteil. Beide Nachteile können durch die Verwendung von Fließestrich entscheidend verbessert werden.

 
 

 

 

  Eine wichtige Voraussetzung für die Eignung von Fließestrich für dynamische Belastungen ist der Nachweis der ausreichenden Dauerschwingfestigkeit. Hierfür wird ein Stück Estrichscheibe einer Biegebeanspruchung unterzogen die z. B. 90 % seiner Bruchlast entspricht und anschließend wieder entlastet. Diese Belastung wird so oft wiederholt, bis die Estrichscheibe bricht. Bei Estrichproben, die nach 2 Mio. Lastspielen noch nicht brechen, wird der Versuch beendet, die Probe ist ein sogenannter "Durchläufer".  
   
 

Am Institut für Baustoffe und Konstruktion, MPA Bau - Abteilung Baustoffe -  er Technischen Universität München wurde die Dauerschwingfestigkeit von drei unterschiedlichen Fließestrichen aus Calciumsulfat mit folgendem Ergebnis untersucht:
Alle Proben, die mit 85 % ihrer Festigkeit oder weniger belastet wurden, erwiesen sich als "Durchläufer", d. h. sie sind auch nach 2 Mio. Lastspielen nicht gebrochen (siehe Diagramm). Das bedeutet, dass Fließestriche aus Calciumsulfat eine hohe Dauerschwingfestigkeit von mindestens 85 % der Grenzfestigkeit besitzen und damit für den Einsatz von Estrichen unter hohen dynamischen Belastungen bestens geeignet sind. Grund für die hohe Dauerschwingfestigkeit ist die sehr gleichmäßige Verdichtung der selbstverlaufenden Fließestriche mit ihrer gleichmäßigen Gefügestruktur.

 
   
 

Mit dem Nachweis der Eignung für dynamisch belastete Estrichkonstruktionen kann nun auch der Vorteil der fugenlosen Verlegung für gewerblich genutzte Estriche auf Dämmschicht voll genutzt werden. Schadensanfällige Fugen können mit Ausnahme über Bauwerksfugen im gesamten Arbeitsbereich vermieden werden. Für die oberflächliche Nutzung können Fließestriche aus Calciumsulfat mit allen Oberbelägen versehen oder z. B. mit Reaktionsharzprodukten dauerhaft beschichtet werden.

 
   
 

Für die detaillierte Ausführung eines Estrichs auf Dämmschicht für Punktlasten wird an der TU München derzeit ein Bemessungsverfahren entwickelt. Damit kann bei vorgegebener Dämmschicht, Estrichqualität und geplanter Beanspruchung - auch durch dynamische Lasten - die erforderliche Estrichdicke ermittelt werden.

 
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