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Mit
Fug und RechtFugen sind Aufgabe des
Planers – Neues Merkblatt bietet Hilfen für die Praxis
von Dr. Heinz Ruf | |
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Die DIN
und das BEB-Hinweisblatt weisen beide darauf hin: Der Planer soll
bestimmen, wo Fugen anzuordnen sind. Insbesondere für Zementestrich
ist dies genau beschrieben. Warum Fugen anzuordnen sind, steht dort
jedoch nicht. Für neue Konstruktionen mit noch relativ jungen
Materialien wie Calciumsulfat-Fließestriche ist aber eine technisch
saubere Begründung unerlässlich. Deshalb hat die Industrie auf der
Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen Empfehlungen für den
Planer erarbeitet, damit er seine Aufgaben richtig wahrnehmen kann. |
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Dr.Heinz Ruf (IGE)
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Bewegte Materie und ihre Ursachen
Fugen sorgen dafür, daß Bewegungen
zwischen Estrichen und Baukörper ausgeglichen werden, ohne Spannungen
in der Konstruktion auszubilden. Zusätzlich verhindern sie
gegebenenfalls die Weiterleitung von Schall oder Schwingungen.
Allgemein gilt: Je mehr Bewegung zwischen Estrich und Baukörper
möglich ist, um so mehr Fugen sind erforderlich. Die Frage bleibt,
welche Bewegungen vom Estrich ausgehen. Untersuchungen an
handelsüblichen Fließestrichen an der RWTH in Aachen ergaben, daß es,
abgesehen von mechanischen Belastungen, nur zwei Ursachen für
Verformungen von Calciumsulfatestrichen gibt, nämlich Feuchteänderung
und Temperaturänderung. Die Feuchteänderung beim Trocknen bewirkt ein
geringes Schwinden. Bei Heizestrichen schreitet die Trocknung weiter
fort und die Längenänderung erhöht sich geringfügig – Zementmörtel
schwindet aufgrund seiner Porenstruktur bis zu zehn Mal mehr.
Feuchteänderungen treten in der Regel nur einmal auf (in der
Trocknungsphase) und laufen deshalb sehr langsam ab.
Temperaturänderungen bewirken Wärmedehnungen. Die Wärmedehnung bei
Calciumsulfatestrichen erreicht die ein- bis zweifache Größe der
Schwindverkürzung. Temperaturänderungen können im Gegensatz zu
Feuchteänderungen sehr schnell ablaufen. Bei Heizestrich treten
merkliche Veränderungen z. B. beim Anheizen schon innerhalb weniger
Stunden auf. Dies ist der entscheidende Unterschied für die besondere
Fugenanordnung bei Heizestrichen. |
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Vom Labor zur Praxis
Auf der Grundlage der
Materialkennwerte und der auftretenden Verformungen gaben wir ein
Rechenmodell an der TU München in Auftrag. Die Wissenschaftler
rechneten praxisgerechte Grundrisse unter verschiedenen Bedingungen
durch. Mit diesem Modell lassen sich Verformungen und Spannung auch
von komplexen Estrichen bestimmen. (Die umfangreichen Ergebnisse
finden sich im Referat von Prof. Peter Schießl, TU München,
Tagungsband "Calciumsulfat-Fließestrich" 2. Fachgutachtertagung,
Nürnberg, 28. April 1999). Die Untersuchungen der TU München zeigten
im Ergebnis, daß die Spannungen in Calciumsulfatestrichen bei
ordnungsgemäßer Verlegung keine kritischen Werte erreichen. Das heißt:
Calciumsulfatestriche können in üblichen Grundrissen fugenlos verlegt
werden. In der Praxis jedoch tritt häufiger Rißbildung auf, als
hiernach zu erwarten wäre – besonders im Februar, wenn die
Fußbodenheizungen mit hohen Vorlauftemperaturen laufen. Warum? Ganz
einfach: Weil ein Estrich in der Praxis komplexer ist, als für das
Rechenmodell angenommen. Die Ergebnisse können deshalb nicht einfach 1
: 1 übernommen werden. |
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In der Praxis ist auch
beim Heizestrich der Estrichaufbau nicht so homogen wie im Modell:
Heizrohre und Befestigungen im unteren Bereich können die
Spannungsausbildung beeinflussen. |
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Fugen ja
oder nein – das Merkblatt der Industrie hat die Laborergebnisse mit
der Praxis in Einklang gebracht. |
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Trocknung, Erwärmung und Aufbau in
der Praxis
In der Praxis der Estriche gibt es
eine ganze Reihe von Größen, die die Ausbildung der Verformungen und
Spannungen wesentlich beeinflussen. Dieses Problem ist zum Beispiel
vom Trockenschwinden her gut bekannt.
Die Trocknung eines Estrichs hängt
ab von der Estrichdicke und den Trocknungsbedingungen. Diese Größen
sind in der Praxis nicht überall gleich, man denke nur an
Dickenunterschiede, die durch Höhenunterschiede in der Rohdecke
entstehen, an ungleichmäßige Belüftung, an die Erwärmung durch
Sonneneinstrahlung auf der Südseite und anderes mehr. Es bilden sich
Feucht-Trocken-Zonen. Das sind Bereiche mit unterschiedlichem
Trockenschwinden. Sie verursachen Eigenspannungen im Estrich. Genauso
verhält es sich bei der Erwärmung. Die Erwärmung der Estrichscheibe
hängt ab von der Estrichdicke und den Heizbedingungen, die in der
Praxis auch nicht überall gleich sind, zum Beispiel unterschiedliche
Rohrabstände im Fensterbereich und vor den Innenwänden. Oder
unterschiedliche Rohrführungen (Schnecken oder Mäander), die sich
unterschiedlich erwärmen. Durch unterschiedliche Estrichdicken und
unterschiedliche Heizbedingungen bilden sich mehr oder weniger stark
ausgeprägte Warm-Kalt-Zonen mit nicht gleichmäßigen Wärmedehnungen.
Diese Warm-Kalt-Zonen führen wie Feucht-Trocken-Zonen bei der
Trocknung zu Eigenspannungen im Estrich. Allerdings wechseln die
Eigenspannungen von Warm-Kalt-Zonen beim Heizestrich täglich, während
Eigenspannungen von Feucht-Trocken-Zonen in der Regel nur einmal,
nämlich beim ersten Aufheizen, auftreten. Ein weiterer Unterschied
zwischen Praxis und Modell betrifft den Estrichaufbau. Im unteren
Bereich des Estrichs liegen die Heizrohre mit ihrer Befestigung. Das
heißt, der Estrichaufbau ist nicht homogen wie im Modell, sondern
inhomogen. Rohre und Befestigung können die Spannungsausbildung zum
Beispiel durch Kerbwirkung beeinflussen. Der Oberbelag auf einem
Heizestrich wird miterwärmt und beeinflußt damit die Wärmedehnung und
den Temperaturgradienten. Von besonderer Bedeutung sind hier starre
Beläge, die mit einem mineralischem Klebermörtel auf den Estrich
aufgeklebt werden. Unterscheidet sich der Wärmeausdehnungskoeffizient
des Belags vom Estrich, kommt es bei der Erwärmung zusätzlich zu
Randverformungen. |
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Theorie und Praxis im Einklang
Die Praxis lehrt uns, daß wir nicht
vollständig ohne Fugen auskommen. Die Theorie zeigt uns, an welchen
Stellen in der Estrichkonstruktion bei gleichmässiger Belastung die
höchsten Spannungen auftreten. Wenn wir die Fugen so anordnen, daß die
Spannungsüberhöhungen an diesen Stellen gezielt vermieden werden,
führt uns dies auf den richtigen Weg. So lassen sich Theorie und
Praxis in Einklang bringen. Aus den Praxiserfahrungen der
verschiedenen Firmen mit den theoretischen Ansätzen ist das neue
Merkblatt "Fugen in Calciumsulfat-Fließestrichen" erarbeitet worden.
Die Anordnung von Fugen in Calciumsulfat-Fließestrich haben wir für
verschiedene Grundrisse, unbeheizt und beheizt, kennengelernt und
daraus entwickelt. Nach DIN ist die Festlegung der Bewegungsfugen
Aufgabe des Planers. Er hat den Fugenplan zu erstellen. Wir wollen ihm
mit dem vorliegenden Merkblatt dabei helfen. Aber auch für den
Verarbeiter ist es eine wichtige Hilfe: Denn er muß den Fugenplan des
Architekten schließlich prüfen und ausführen. |
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| Dr. Heinz Ruf ist Obmann
der IndustrieGruppe Estrichstoffe |
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