Ein Guter Grund
Rohstoffe für Calciumsulfat-Estrich:
breite Basis für viel Boden

 
   
 

In fünf Jahren fünfzig Prozent
Fließestriche auf der Basis von Calciumsulfat sind in den letzten Jahren auf dem Vormarsch. Nach Einschätzung von Experten wird ihr Marktanteil in fünf Jahren bis zu fünfzig Prozent betragen. Die Gründe dafür sind bekannt: leichter, gesundheitsschonender Einbau, hervorragende technische Eigenschaften, vor allem in bezug auf das Schwindverhalten, auf die gute Eignung für Fußbodenheizungen und für die fugenlose Verlegung auch großer Estrichflächen. Der Stoff für guten Estrichboden wird aus verschiedenen Quellen gewonnen, gemeinsam ist aber allen Bindemitteln eins: der Rohstoff Calciumsulfat (Gips).

 
   
 

Gips: Baustoff mit Tradition
Neben Kalk ist Calciumsulfat der älteste bekannte Baustoff. Ob im alten Ägypten, in den indischen Hochkulturen oder den deutschen und italienischen Städten des Mittelalters, ob als Mörtel oder putzartiger Stuck: überall kam Gips beim Bau von Tempeln, Häusern und Stadtmauern zum Einsatz. Heute werden Calciumsulfate in vielfältigen Verfahren zu mit Wasser abbindefähigen Bindern veredelt. Sie stehen zur Herstellung von Baugipsen, Gipsputzen, Gipsplatten, massiven Gips-Wandbauplatten, Modell- und Formgipsen und natürlich für Calciumsulfat-Estriche zur Verfügung. Im Vergleich zu anderen Gips-Produkten können Fließestriche auf Basis Calciumsulfat jedoch nur mit hochfesten Calciumsulfat-Bindern hergestellt werden.

 
   

 

Vier Säulen der Herstellung
In Deutschland werden heute zur Herstellung von Calciumsulfat-Bindern vier Rohstoffe verwendet: Naturanhydrit aus natürlichen Calciumsulfat-Reserven und die technisch erzeugten Calciumsulfate Alpha-Halbhydrat, Thermischer Anhydrit und Synthetischer Anhydrit. Diese ausgesuchten Rohstoffe erfüllen die hohen Anforderungen an Qualität, Gleichmäßigkeit und langfristige Versorgungssicherheit. Sie haben sich bei der Herstellung von Fließestrichen langjährig bewährt.

 

   

 

Lebensfreundlich für Mensch und Umwelt
Wissenschaftliche Untersuchungen des Bundesgesundheitsamtes und verschiedener Universitäten haben schon vor Jahren ergeben, dass sowohl Naturgipse als auch technisch erzeugte Gipse gesundheitlich unbedenklich sind. Die Ergebnisse räumten vor allem mit den Vorurteilen auf, die gegenüber REA-Gips laut geworden waren. Die Wissenschaftler bestätigten mit ihren Studien schwarz auf weiß: Der Rohstoff Gips ist in all seinen Erscheinungsformen ein lebensfreundliches Produkt.

 

   
 

Vom Urmeer in den Steinbruch: Naturanhydrit

 

 

Salzablagerungen aus den Meeren ließen zur Zeit der Dinosaurier, also vor rund 200 Millionen Jahren, mächtige Calciumsulfatvorkommen ent-stehen. Sie sind heute noch im Norden Deutschlands, etwa an den Hängen des Harzgebirges, zu finden. Nach Süden hin existieren Ablagerungen von Naturanhydrit (wasserlosem Gips) in Sedimenten aus Muschelkalk und Keuper.

 

Abbau von Naturanhydrit im Untertagebau
 

 

Für die Herstellung von Fließestrich kommen nur die reinsten Naturanhydrit-Lagerstätten in Frage. Der Rohanhydrit wird im Steinbruch oder unter Tage abgebaut und zerkleinert und fein vermahlen zu einem Calciumsulfat-Binder veredelt. Mörtelmischanlagen schließlich sorgen für die baustellenfertige Mischung des Fließestrichs.

 

   

 

Alpha-Halbhydrat - die Formel für schnelle Reaktionen

 

 

 

Hinter dem etwas formelhaften Namen Alpha-Halbhydrat verbirgt sich ein sehr reaktiver hochfester Binder, der in kurzer Zeit ohne Anreger mit Wasser reagieren kann. Denn im Unterschied zum wasserfreien Anhydrit ist in Alpha-Halbhydrat, wie der Name sagt, ein halbes Wassermolekül gebunden. Die Quelle für Alpha-Halbhydrat ist Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA-Gips). In deutschen Kohlekraftwerken wird REA-Gips, eine hochreine Calciumsulfat-Verbindung, in sehr großen Mengen gewonnen. Die Veredelung zu Alpha-Halbhydrat vollzieht sich zunächst in einer Aufbereitungsanlage: Dort wird der feuchte REA-Gips gemischt und zu Briketts geformt. Sogenannte Autoklaven kristallisieren die Briketts dann bei rund 130°C zu Alpha-Halbhydrat um. Nach der Trocknung werden die Briketts gebrochen und feingemahlen - so entsteht der pulverförmige Calciumsulfat-Binder.

 

Die Bildung von Calciumsulfat-Alpha-Halbhydrat aus REA-Gips

   

 

Aus der Hitze gewonnen: Thermischer Anhydrit

 

 

 

Ebenfalls aus REA-Gips wird der thermische Anhydrit hergestellt. Die Veredelung beruht auf vollständigem Wasserentzug durch Hitze: Zuerst wird der REA-Gips getrocknet. Dann dampft das Kristallwasser des Gipses in einem sogenannten Calcinierprozess bei ungefähr 800 Grad vollständig aus. Ein Kühlsystem bringt das so gewonnene Produkt auf eine Temperatur unter 70°C, danach wird der pulverförmige Caldumsulfat-Binder in einer Mahlanlage feingemahlen. Thermischer Anhydrit und Alpha-Halbhydrat sind nicht nur hervorragende Rohstoffe, sie erfüllen auch eine ökologisch wichtige Funktion: Sie schonen die natürlichen Ressourcen und führen die Nebenprodukte, die bei der Energiegewinnung entstehen, einer sinnvollen und hochwertigen Nutzung zu.

 

REA-Gipskristalle

   

 

Synthetischer Anhydrit: perfektes Produkt aus dem Ofen
Aus der industriellen Produktion wird auch der Synthetische Anhydrit gewonnen. Er entsteht bei der Produktion von Flusssäure, mit der Produkte von der Bratpfannenbeschichtung über Kühlmittel bis zur Zahnpasta hergestellt werden. Flusssäure besteht aus Schwefelsäure und Flussspat. In einem Drehrohrofen reagieren die beiden Substanzen bei 300 bis 600°C zu Flusssäure einerseits und zu Calciumsulfat andererseits. Branntkalk oder Kalkhydrat dient zur Neutralisierung des wasserfreien Synthetischen Anhydrits. Das stückige Material wird gebrochen, nach Zugabe eines Anregers fein vermahlen und in Silos bevorratet.

 

   

 

Die „Zugaben" für guten Mörtel
Die vier Bindemittel werden allein oder in Abmischungen untereinander verwendet. Doch ganz ohne „Zugaben" geht der Fließestrich nicht von der Bühne: Mit einer Reihe von Stoffen in kleinen Mengen werden die Eigenschaften des Bindemittels je nach Einsatzbereich beeinflusst. Auch hier gilt wie überall: Auf die Mischung kommt es an. Sie muss strenge Festigkeitsanforderungen und DIN-Normen erfüllen. Zusatzstoffe können die chemischen und physikalischen Eigenschaften des Caiciumsulfat-Binders verändern. Zusatzmittel wie Anreger und Verzögerer beeinflussen Konsistenz und Verarbeitungszeit und sorgen so für ein zeitgenaues Abbinden des Fließestrichs. Mineralische Zuschläge schließlich ergänzen die Mischung mit Kornverteilungen und Kornformen, die sich für die Fließestrich-Herstellung eignen.

 

   

 

IGE: Informationszentrum Guter Estrich
Die Industriegruppe Estrichstoffe (IGE) bietet eine Broschüre an, die ausführlich über die Rohstoffe für Calciumsulfat-Estriche informiert und die als PDF-Datei ebenfalls hier im Internet zur Verfügung steht.  Erarbeitet wurde die Informationsschrift vom IGE-Arbeitskreis Technik. Sie stellt ausführlich und mit aussagekräftigen Abbildungen die Herstellung der vier Calciumsulfat-Bindemittel dar. Die Mitglieder der IGE, führende Bindemittelhersteller und Systemanbieter von Fließestrich auf CaIciumsulfat-Basis, setzen damit die Reihe von Informationsbroschüren, technischen Merkblättern und Werbemitteln fort, mit denen sie die Verarbeiter bei der Bearbeitung des Estrichmarktes unterstützen wollen. Denn es genügt nicht, mit guten Rohstoffen guten Estrich zu produzieren - man muss auch darüber reden.

 

 

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