Vernünftig prüfen statt Vorurteile pflegen

Gert F. Hausmann

   
 

Eigentlich wissen wir alle: Mit beiden Bindemittelarten, Calciumsulfat-Fließestrich und/oder Zementestrich, können bei sorgfältiger Herstellung und Verarbeitung Estriche eingebaut werden, die die an sie gestellten Ansprüche sicher erfüllen.

Welcher Estrich in welches Gebäude eingebaut werden soll, wird deshalb nach technischen Notwendigkeiten und den baulichen Gegebenheiten getroffen. Ein wesentliches Kriterium wird jedoch oft ausgeblendet oder stark emotionalisiert: der Fußbodenbelag. Genau hier spielt sich alles in einem Gebäude ab. Und genau hier kommt es zu einer unterschwellig massiven Stimmung „pro" oder „contra".

„Da legen wir nichts drauf" oder „zu risikoreich" lauten die Spontanreaktionen von Fliesen-, Betonwerk- und Natursteinlegern, Parkettlegern und Bodenlegern von elastischen und textilen Belägen.

Warum?

 
 

 

 

Vielfach liegt das an einer großen Verunsicherung der Weiterverarbeiter, was die Prüfung der Estriche angeht. Dabei ist festzustellen: Oberflächen von Anhydrit-Fließestrich und Zementestrich werden nicht gleich beurteilt. Bei Zementestrichen lässt sich sogar eine gewisse Lässigkeit beobachten, frei nach der Devise: „Damit kennen wir uns aus!"

Es ist deshalb unerlässlich, geeignete und bei beiden Estricharten einsetzbare Prüfkriterien zu schaffen. Damit begegnet man den zahllosen Bedenken und baut die damit verbundenen Zeitverzögerungen, Mehrkosten und den Ärger sinnvoll ab. Das Ergebnis wäre ein Vertrauensgewinn, eine Steigerung des Wissens, der Kompetenz an der Baustelle und bei den Partnern am Bau. Eine Estrich-Debatte über „pro" und „contra" Calciumsulfat - Zement ist dem gesamten Bauwesen wenig zuträglich. Die Frage muss immer heißen: Sind die eingebauten Estriche fach- und sachgerecht produziert und eingebaut - und damit zur Belagaufnahme geeignet - oder nicht?

 
 
   
 

Beläge lassen sich sicher und dauerhaft auf beide Arten verlegen.

 
 
   
 

Eindeutige Vorteile bei Calciumsulfat  sind jedoch ebenfalls nicht wegzudiskutieren: Großflächige Herstellung ohne Fugen bzw. mit wenigen Fugen in einem Estrich ermöglichen eine freiere Gestaltung des Oberbelags. Temporäre Verformungen sind bei Fließestrichen weitgehend unbekannt. Das nachträgliche Korrigieren von Sockelleisten bzw. deren Höhendifferenz zum endlich getrockneten Estrich entfällt. Vorteile des Zementestrichs hingegen sind die gesicherte Wasserfestigkeit und die hohen Lastaufnahmen, insbesondere im Industriebau.

   
   
 
Oberbodenverleger und Estrichleger sollten drei Dinge beachten: Erstens sollten sie mehr um die Probleme des anderen wissen. zweitens sollten sie den Willen zu mehr Kommunikation entwickeln und drittens die Bereitschaft, voneinander zu lernen.  
   
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