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Man spricht nicht gern darüber. Trotzdem ist es ein
Problem: Die körperliche Belastung beim Estrichleger. Vieles hat sich
in den vergangenen Jahren deutlich verbessert: Der Materialtransport
auf dem Buckel ist weggefallen. Es gibt ordentliche Knieschoner. Man
achtet auf trockene Kleidung. Trotzdem: Das Verlegen von Zementestrich
bleibt eine Arbeit, die besonders Knie und Rücken belastet.
Zementestrich wird auch in Zukunft beim Aufbau des Bodens nicht
wegzudenken sein. Aber viele Estrichlegerbetriebe schätzen heute
Fließestrich nicht allein wegen der vielen technischen Vorteile. |
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Die Praxis zeigt es:
Schwachpunkt Nr. 1 ist die Wirbelsäule
Für
Estrichlegermeister Günther Köhler kam das "Aus" vor gut drei Jahren:
Probleme mit der Wirbelsäule. Seither kann er höchstens mal aushelfen,
wenn Fließestrich verlegt wird: "Stehend kann ich beim Gießen oder
Rakeln von Fließestrich noch helfen. Aber das Glätten von
Zementestrich in vorgebeugter Haltung, das ist vorbei!" |
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15 Jahre hat Günther Köhler im Familienunternehmen
im sauerländischen Ense selbst beim Verlegen von Zementestrich
zugepackt. Estrich von der Pike auf. Dann meldete sich der Rücken.
"Die ersten Anzeichen will man als junger Mann ja nicht wahrhaben",
erinnert er sich. "Mit Salbe und einem Nierengurt versucht man, die
Probleme zu überspielen." Damals hatte er neue Aufgaben als
Geschäftsführer übernommen. Und als er zwei Jahre später vorsichtig
zum Thema "Berufskrankheit" bei der Berufsgenossenschaft anfragte,
winkte man dort ab: zu spät für eine Anerkennung. |
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Günther Köhler,
Ense |
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Aus Unternehmersicht ist
Fließestrich für Günther Köhler "schon eine gesunde Sache". Zumindest
stellt er fest, dass es bei seinen zehn Estrichlegern in den Kolonnen,
die Fließestrich verlegen, weniger krankheitsbedingte Ausfälle gibt.
Sorgen macht ihm der Berufsnachwuchs: "Mit einem neuen Azubi haben wir
bereits einen Vertrag abgeschlossen. Der junge Mann war schon zum
Praktikum bei uns gewesen und es hat ihm gut gefallen. Jetzt kam der
Bericht des Arztes. Der hat Bedenken wegen der körperlichen
Belastung." Gute Bewerber sind in seiner Region Mangelware. |
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Gesundheitsschonende Arbeitsbedingungen schaffen |
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Bernd Wiesjahn aus Leverkusen
sieht die Vorteile von Fließestrich ähnlich. Er ist Geschäftsführer
eines Estrich-Fachbetriebes mit 15 Mitarbeitern. "Wir arbeiten mit
vier Estrich-Kolonnen. Eine davon verlegt ausschließlich Fließestrich.
Einige Estrichleger aus dem Zementbereich haben Probleme mit Knien und
Rücken. Wir haben mehrfach Mitarbeiter zur Kur schicken müssen. Die
fallen dann aus." Bernd Wiesjahn ist Geschäftsführer eines
Fachbetriebes, der seit 30 Jahren Estrich verlegt. "Neue Mitarbeiter
sind ein Problem. Wir suchen Estrichleger für Zementestrich, finden
aber keine. Für Fließestrich finden wir eher Leute." |
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Bernd Wiesjahn,
Leverkusen
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Ralf Behr ist
Estrichlegermeister und leitet einen Estrich-Fachbetrieb in Siegburg.
Er führt das Unternehmen mit 12 Mitarbeitern in der zweiten
Generation. "Wir verlegen zunehmend Fließestrich. Natürlich machen wir
das nicht allein wegen der gesundheitlichen Vorteile für die
Mitarbeiter. Es gibt auch sehr viele technische Gründe, weshalb unsere
Kunden Fließestrich stärker nachfragen. Fakt ist aber, dass die
Belastung für Knie und Rücken bei Fließestrich geringer ist als beim
Zementestrich. Außerdem ist keiner der Mitarbeiter während der
Mischzeit Wind und Wetter ausgesetzt. Anstrengend ist der Job allemal.
Denn in der Zeit, in der eine Zementestrich-Kolonne 100 Quadratmeter
Estrich verlegt, muss die Fließestrichkolonne eine Fläche von 600 bis
800 Quadratmetern herstellen." |
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Ralf Behr,
Siegburg
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