Michael Ruhland, Estrichleger- und Parkettlegermeister und Sachverständiger, Wertheim-Mondfeld, im Gespräch mit dem Calciumbo

Aufs Parkett gebracht
 

   
 

Bei Belägen wie Parkett ist eine hohe Schubspannung zu erwarten. Was muss ein guter Estrich in diesem Zusammenhang leisten?
Bei der Verlegung von Parkett ist eine sehr gute Oberflächenfestigkeit besonders wichtig, um die hohen Schubspannungen und Scherkräfte aufzunehmen. Diese Oberflächenfestigkeiten werden in der Praxis leider sehr häufig nicht erreicht, obwohl eine gute Oberfläche einfach und mit geringen Kosten zu erreichen wäre. Ein gutes Produkt, ein guter Estrichleger, ein guter Wille, ein Bauherr mit Verstand und Einsicht und schon wäre ein etwas besserer Estrich möglich. Oft sind aber auch die Handwerker vor Ort nicht in der Lage, die Oberflächenfestigkeit zu prüfen. Hier bewährt sich in der Praxis immer wieder die Probeverklebung als etwas aufwendige, aber praxisgerechte Prüfmethode.

 
   
 

Wie muss Ihrer Meinung nach der optimale Untergrund für einen Parkettboden aussehen?
Ein Parkettfußboden braucht keinen ebeneren Estrich als andere Bodenbeläge auch. Die Maßtoleranzen für die Ebenheit eines Estrichs sind in DIN 18 202 klar und deutlich formuliert. Die Kunden, Planer, Architekten, Bauträger sollten eventuell darauf hingewiesen werden, dass es auch eine Zeile 4 mit erhöhten Anforderungen gibt, die immer häufiger gewünscht wird und auch einige Belagshersteller verlangen.

 
   
 

Je nach Abhängigkeit von den Raumverhältnissen sind die gewünschten Werte nicht immer zu erreichen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Restfeuchte bei Calciumsulfat-Fließestrich, auch im Unterschied zum Zementestrich?
Die Restfeuchte in Estrichen sollte heute kein Problem mehr sein. Es gibt hier klare Grenzwerte, ab wann verlegt werden darf. Es gibt Möglichkeiten, Estriche künstlich zu trocknen, was einer ganzen Branche zu erheblichen Umsätzen verhilft. Calciumsulfatgebundene Estriche haben bei künstlichen Trocknungsmaßnahmen klare Vorteile gegenüber herkömmlichen zementären Systemen. Die niedrigen Schwindmaße von Calciumsulfat-Systemen verhalten sich hier sehr positiv. Das Problem der Restfeuchte darf man nicht unterschätzen. Die derzeit geltenden Werte müssen unbedingt eingehalten werden, denn vor Ort führen immer viele kleine Überschreitungen zu einem großen Schaden.

 
   
 

Welche Vorteile bietet Ihrer Ansicht nach Calciumsulfatfließestrich dem Estrichleger und dem Parkettleger?
Ein Calciumsulfatfließestrich bietet dem Estrichleger Vorteile bei größeren, bauähnlichen Flächen. Bei Kleinflächen oder Flächen mit individuellen Konstruktionen sind vielleicht konventionelle Estriche oft die einfachere Wahl. Für den Parkettleger bietet der Calciumsulfatfließestrich gegenüber einem konventionell eingebautem Estrich keine Vor- oder Nachteile. Alle Estriche sollten bei fachgerechtem Einbau durch den Estrichleger einen ordentlichen Untergrund für den Parkettleger bieten.

 
   
 

Welche Probleme treten aus Ihrer Praxiserfahrung mit Calciumsulfatfließestrichen auf, und wie gehen Sie damit um?
Die Umsetzung des neuen Merkblattes Nr. 5 "Fugen in Calciumsulfat-Fließestrichen" gestaltet sich etwas schwierig. Es treten häufig Risse auf, wenn entgegen der Herstellervorschriften fugenlos gearbeitet wird. Die fugenlose Verlegung war aber eines der Hauptargumente für einen Calciumsulfatfließestrich. Eine fachgerechte Bewegungsfuge in einer schwimmenden Estrichkonstruktion ist sicherlich nicht einfach und kostengünstig herzustellen. Die Optik stört zudem so manchen Bauherrn.

 
   
 

Michael Ruhland

legte 1986 die Meisterprüfung im Estrichlegerhandwerk, 1989 im Parkettlegerhandwerk ab. Seit März 1999 ist er öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Parkettleger-handwerk, seit September 1999 für das Estrichlegerhandwerk.

   
zurück zum Menue