Parkett auf Calciumsulfat-Fließestrich

Keine Gefahr durch norm-
gerechte Restfeuchte
 

   
 

 

     
 

Das Wappentier der Deutschen - so lautet ein böser, satirischer Spruch - ist der Sündenbock. Immer, wenn etwas schief gelaufen scheint, muss ein Schuldiger gefunden werden. Wenn es um Schäden bei der Parkettverlegung auf Fließestrich geht, dann ist die Ursache schnell ausgemacht: Die in den Vorschriften festgelegte Restfeuchte in der Estrichschicht ist zu hoch! Doch das Urteil ist vorschnell und lenkt meist von anderen Ursachen ab.

 
 

 

 
 

Was ist nun dran am "Sündenbock Restfeuchte"?

 
   
 

Das "Institut für Fußbodentechnik" in Koblenz ist eine unverfängliche Adresse, wenn es um Fließestrich geht. Als Zeuge vor Gericht würde festgestellt: Nicht verwandt und nicht verschwägert. Institutsleiter Norbert Strehle wurde im Spätsommer 2001 um eine Stellungnahme gebeten. Sein Urteil: "Alles in allem komme ich zu dem Ergebnis, dass die auch in den fachlichen Regeln der DIN 18356 (Parkettarbeiten), insbesondere in der diesbezüglichen Kommentierung festgelegten Angaben zur Verlegereife von Calciumsulfatestrich in Höhe von 0,5 CM-(Masse)% im Falle unbeheizter Calciumsulfatestriche und in Höhe von 0,3 CM-(Masse)% im Falle beheizter Calciumsulfatestriche richtig sind." Norbert Strehle setzt noch einen drauf: Forderungen, die seit Jahren geltenden Werte für Restfeuchte weiter abzusenken, bezeichnet er als "praxisfremd"!

 
   

 

 

 
   

 

Unbeheizter Estrich

 

   
 

Das Urteil des Instututs für Fußbodentechnik ist sauber begründet: Bei einer 35 mm dicken Estrichschicht würde die Absenkung der Restfeuchte von 0,5 CM-(Masse)% auf 0,3 CM-(Masse)% eine Reduzierung des frei verfügbaren Wassers um 140 ml/m2 bringen. Geht man davon aus, dass diese Wassermenge komplett an ein 22 mm dickes Stabparkett abgegeben wird, so würde das im Holz eine Feuchtigkeitsänderung von nur 1 % ausmachen. Bei einem lediglich 8 mm dicken Mosaikparkett wären es nur 2,5 %. „Mit einer derartigen Feuchtigkeitsänderung", so Strehle, „muss bei einem geklebten Parkett .... ohnehin gerechnet werden."

 
   

 

Beheizter Estrich

 

 
   
 

Bei flächenbeheizten Bodenkonstruktionen, so stellt auch Norbert Strehle fest, wäre eine Restfeuchte von 0,5 CM-(Masse)% zu viel. Eine 70 mm dicke Estrichschicht enthält immerhin 700 ml/m2 freies Wasser. Geht man davon aus, dass der Estrich nach der Parkettverlegung bis aufO,2CM-(Masse)% abtrocknen kann, dann würden 420 ml an das Holz abgegeben und die Holzfeuchte um 2,8 % (bei 22 mm) erhöht. Bei einem 10 mm dicken Massivparkett könnte die Holzfeuchte theoretisch sogarum kritische 6 Gewichtsprozente steigen. Da es durch das Trockenheizen des Fließestrichs unproblematisch ist, eine Restfeuchte von 0,3 CM-(Masse)% zu erreichen, hält Strehle diesen Wert für technisch sinnvoll im Hinblick auf eine sichere Parkettverlegung. Dann bleiben die Feuchtigkeitsschwankungen im Parkett, die durch die Restfeuchte verursacht werden kann, bei 1 bis 2 %. Und das ist dann ein Wert, der dem Parkett im Dauereinsatz zugemutet werden muss. Alles in allem, so die zusammenfassende Beurteilung des Instituts für Fußbodentechnik, sind Restfeuchten von 0,5 CM-% bei unbeheiztem und 0,3 CM-% bei beheiztem CaIciumsulfat-Estrich realistische Werte. Mit den daraus resultierenden Feuchtigkeitsschwankungen muss ein gutes und ordentlich verlegtes Parkett spielend fertig werden.

 
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