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Der
"letzte Schliff"
Einheitliche Aussage der Industrie zur
Oberflächenbehandlung
Merkblatt hilft dem Praktiker bei der Prüfung
von Götz Blaeßius | |
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Auf den Baustellen kommt es zwischen Estrichlegern
und Oberbodenlegern immer wieder zu Unstimmigkeiten bei der
Beurteilung der Oberflächenbeschaffenheit von
Calciumsulfatfließestrichen. Begriffe wie "Reinigungsschliff",
"Anschleifen" und "Abschleifen" werden oft miteinander verwechselt,
und der "Schwarze Peter" landet oft genug beim Estrichleger. |
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Das muss nicht sein: Denn es gibt klare Aussagen zur
Oberflächenbeschaffenheit und zu den einzelnen Prüfmethoden, die von
der Industrie und dem BEB gemeinsam getragen werden. Darauf kann sich
der Praktiker verlassen. Voraussetzung ist allerdings, dass er sich
mit der Oberfläche gründlich auseinandersetzt. Denn nach wie vor gilt:
Der Estrichleger muss einen belegereifen Estrich abliefern. |
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An die
Oberfläche gekommen:
Estrichoberflächen mit solchen Spuren können zu Streitigkeiten führen |
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| Klares Statement:
Anschleifen ist Stand der Technik
Um möglichen
Begriffsverwirrungen vorzubeugen, hier noch einmal: "Abschleifen" ist
eine Mängelbeseitigung, die der Auftragnehmer kostenlos zu erbringen
hat. "Anschleifen" hingegen ist eine vergütete Regelleistung. "Heute
ist es allgemeiner Stand der Technik, dass Fließestriche angeschliffen
werden." Zu dieser Aussage, die mit dem BEB abgestimmt ist, stehen die
drei Verbände Industriegruppe Estrichstoffe (IGE), Bundesverband
Nassmörtel (BNM) und Industrieverband Werktrockenmörtel (WTM), in
denen die Hersteller von Calciumsulfatestrichen zusammenarbeiten –
ganz egal, ob es sich dabei um Siloestrich oder Fahrmischerestrich
handelt. Das heißt: Die Hersteller empfehlen das Anschleifen.
Allerdings gilt auch: "Auf das Anschleifen kann verzichtet werden,
wenn der Fließestrich eine für den Verwendungszweck ausreichende
Oberfläche aufweist." Deshalb ist es für den Estrichleger wichtig, die
Oberflächenbeschaffenheit möglichst schnell objektiv zu prüfen und zu
beurteilen. |
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| Richtiges "Timing"
spart Nerven und Kosten
Wer etwaige Mängel
zeitnah feststellt und beseitigt, kommt schneller an die Abnahme, zur
Rechnungsfälligkeit und damit auch zur Umkehr der Beweislast. Denn die
Verlegearbeiten werden meistens erst 6-8 Wochen nach den
Estricharbeiten ausgeführt. Das heißt: Der komplette Ausbau geht in
der Zwischenzeit über die neue Estrichoberfläche – mit all den
Verunreinigungen und Oberflächenbeschädigungen. Wenn der Estrichleger
also zu spät mit dem Anschleifen beginnt, hat er nur geringe Chancen,
seinen Mehraufwand vergütet zu bekommen. Wenn Anschleifen wegen fest
anhaltender Verschmutzung gefordert wird, ist dies eine zu vergütende
Sonderleistung, die in den Bereich des Oberbodenlegers fällt.
Besonders wichtig: Eine Schuldzuweisung nach so langer Zeit wird sehr
schwer oder ganz unmöglich, weil die schadensverursachenden Fakten
nicht oder nur unvollständig nachzuvollziehen sind. |
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| Unterstützung durch
Information Die Industrie gibt dem Estrichleger
hier Unterstützung zur Hand. Umfassende Informationen findet der
Estrichleger in zwei Publikationen. Die Erste stammt von Heinz-Dieter
Altmann und Gerd. F. Hausmann: "Vorbereitungen von Estrichen für
Bodenbelagsarbeiten. Calciumsulfatgebundene Fließestriche und
Zementestriche im Vergleich." Herausgegeben wurde die Broschüre 1998
vom Bundesverband der deutschen Mörtelindustrie. Die Autoren legen die
Anforderungen an den Belagsuntergrund, die Einordnung, Prüfung und
Beurteilung für alle Fußbodenaufbauten dar. Sie behandeln
Calsiumsulfat-Fließestriche und Zementestriche und sprechen auch die
verschiedenen beteiligten Gewerke an. In einer Tabelle führen sie die
Arbeitsgänge der Vorbereitungen und die gängigen Prüfungen auf. Die
zweite Publikation konzentriert sich ganz auf
Calciumsulfat-Fließestriche: das Merkblatt 4 der Industrieverbände
IGE, WTM und BNM "Beurteilung und Behandlung der Oberflächen von
Calciumsulfat-Fließestrichen", das in diesem Jahr erschienen ist. Es
erläutert, welche Problemstellungen auftauchen können. Und es führt
auch die verschiedenen mechanischen Oberflächenbehandlungen erklärend
auf. Wer Informationen auf einen Blick schätzt, kann auf die
tabellarische Übersicht in der Broschüre zurückgreifen (siehe Tabelle
unten). Sie ist auf Stichworte reduziert und erlaubt so dem Benutzer,
die aktuellen Beschaffenheiten, Erläuterungen und Prüfverfahren
schnell zu finden. |
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| Drum prüfe, ob er
richtig bindet …
Das Merkblatt listet die verschiedenen Prüfverfahren auf: von der
Gitterritzprüfung über die Hammerschlagprüfung und die
Benetzungsprüfung bis hin zu den ergänzenden Prüfungen. Die
ergänzenden Prüfungen sind keine Regelprüfungen. |
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Die
Gitterritzprüfung (oben) und die Probeverklebung und Prüfung des
Schälwiderstandes (unten). |
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In der
Regel sorgen sie aber für ein objektives Ergebnis, wenn mit den oben
genannten Prüfverfahren eine zweifelsfreie Beurteilung der
Estrichoberfläche nicht möglich ist: Die Prüfung der
Oberflächenzugfestigkeit und die Probeverklebung. Als besonders
geeignet, wenn auch als sehr kostspielig hat sich die Prüfung der
Oberflächenzugsfestigkeit erwiesen. Mittlerweile aber sind auch
erschwingliche Geräte wie z. B. das Prüfgerät DYNA ESTRICH auf dem
Markt. |
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Die Bedienungsanleitung für dieses Gerät erstellte die IGE
zusammen mit dem Institut für Baustoffprüfung und Fußbodenforschung (IBF),
Troisdorf. Sie ist dem Merkblatt beigefügt. Mit diesem Prüfverfahren
kann der Estrichleger auch in Zweifelsfällen nachweisen, dass er eine
gute Arbeit geleistet hat. |
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Die Probeverklebung und
Prüfung des Schälwiderstands (rechts) und die Gitterritzprüfung
(unten).
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Eigenschaft der Estrichoberfläche |
Prüfung und Beurteilung |
Behandlungs-
maßnahmen* |
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1
Sinterschicht/ Kalkhäutchen |
Visuell,
ggf. Gitterritz- prüfung; im Zweifelsfall
Oberflächen-festigkeitsprüfung |
Anschleifen, Abschaben |
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2 Harte
Schale |
Hammerschlagprüfung |
Abstoßen,
Abschleifen, Abfräsen, Kugelstrahlen |
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3
Ausblühungen |
Visuell |
Abkehren |
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4 Weiche
, mehlige Oberfläche |
Visuell,
ggf. Gitterritz- prüfung; im Zweifelsfall
Oberflächen-festigkeitsprüfung |
Abschleifen |
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5
Unzureichende Saugfähigkeit |
Benetzungsprüfung |
Maschinelles Bürsten, Anschleifen, selten Abschleifen |
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6
Verunreinigungen |
Visuelle
Prüfung |
Maschinelles Bürsten, Reinigungsschleifen |
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Dipl.-Ing. Götz Blaeßius, Ebermannsdorf, ist
ö.b.v. Berufssachverständiger für Estriche bei der Industrie- und
Handelskammer Regensburg
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